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Reingelegt!

Vorderlicht mit einem Kabel

Ich halte eine Einführungsstunde zum Thema „Der einfache Stromkreis“ (7. bzw. 8 Klasse, Realschule), auf die freue ich mich immer.

Zunächst gehen wir raus aus dem Physikraum auf den Schulhof und schauen uns mehrere Fahrräder an, die einen Dynamo und mindestens ein funktionierendes Licht haben, z. B. das Vorderlicht. Alle SuS stehen im Kreis, der Dynamo wird aktiviert, das betroffene Laufrad angehoben gedreht: ah, das Vorderlicht leuchtet. (Nebenbei: wie wenig Fahrräder ein funktionierendes Licht haben ist erschreckend: vielleicht nur die Hälfte!)

Dann werden die Leitungen, sprich die Kabel untersucht: Wir stellen fest: an dem „alten Rad“ funktioniert das Vorderlicht mit nur einem Kabel (siehe Foto).

Noch eine weitere Bemerkung dazu: die meisten „neuen“ Räder haben nicht mehr ein, sondern tatsächlich zwei Kabel zum Vorderlicht. Die werden natürlich auch untersucht. Auch wird – wenn möglich – dann ein Kabel abgezogen und festgestellt: das Vorderlicht leuchtet nicht.

Fazit also: es gibt „alte“ Fahrräder“, die funktionieren mit nur einem Kabel, manche „neuen“ Fahrräder nur mit zwei Kabel.

Nachdem diese Beobachtung festgehalten ist (Tipp: per Stichwort aufschreiben lassen, die SuS sind dann bessere Beobachter), kehren wir in den Physikraum zurück.

Jetzt fängt der Spaß an. Die SuS sollen in Gruppen die Fahrradbeleuchtung „im Labor“ nachbauen. Jede Gruppe erhält: eine Stromquelle (kann eine Batterie sein, bei uns sind es Buchsen an den Schülertischen mit einer Niedervoltspannung von ca. 3 V), ein Kabel und ein Fahrrad-Lämpchen ohne Fassung!

Nun, ich betone, dass wir exakt die Fahrradbeleuchtung nachbauen wollen. Manche verwirrten Einwände von SuS, die etwas von zwei Kabeln murmeln, unterdrücke ich erfolgreich.

Dann geht es los: die SuS versuchen vergeblich das Lämpchen zum Leuchten zu bringen. Dabei halten sie den Kontakt des einen Kabel an verschiedenen Stellen am Lämpchen (ich muss sie auch noch beruhigen, dass sie auf keinen Fall einen Schlag bekommen). Und – ich zähle die Sekunden bis zum ersten ernsthaften Protest. Meist komme ich auf 30 Sekunden, selten auf eine längere Zeit. Einige Schüler fordern nun vehement ein zweites Kabel. Nun, ich gebe auf, die Gruppen bekommen ein zweites Kabel und siehe da: das Lämpchen leuchtet.

Nach dem sich alle beruhigt haben („Herr Kurz, Sie haben uns reingelegt!), klären wir im Plenum die Frage, wieso denn das Vorderlicht am „alten“ Rad dennoch funktionierte. Und siehe da, irgendwann kommen wir nach einigen Raten, Rätseln und Grübeln auf die Lösung: der Rahmen an sich funktioniert als zweite Leitung. Es muss nicht immer ein klassisches Kabel sein.

Es ist ein wunderbarer Einstieg in die Thematik. Sehr schön ist zudem, dass es bei den bekannten dwu-Materialien ein passendes Arbeitsblatt gibt. (Das obige Foto darf dabei auch gerne verwendet werden.)

Vor kurzem habe ich zwei Schülergruppen erlebt, die das Problem – entgegen meinen Vorgaben – gemeinsam lösten: sie benutzten ihre einzelnen Kabel zusammen, hatten auch die 2. Buchse an der Niedervolt-Versorgung entdeckt.

So weit zu einem recht spannenden Einstieg in die Elektrizitätslehre. Für weitere Ideen bin ich offen.

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  1. Das ist mal richtig handlungsorientiert, Martin. Gefällt mir! Fehlt nur noch, dass Ihr jetzt loszieht und die ganzen kaputten Fahrradbeleuchtungen an den Rädern im Schulhof repariert, hi, hi 🙂
    Beste Grüße – Irene

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    24. Mai 2010
    • martinkurz #

      das wären ca. 500 Fahrräder wenn es nicht regnet. Eine Mammut-Aufgabe. An einer früheren Schule von mir gab es mal eine Arbeitsgemeinschaft Fahrradwerkstatt. Die wäre nicht arbeitslos …

      Gefällt mir

      24. Mai 2010

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