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Guter Unterricht – eine kleine Stellschraube

Was ist das Geheimnis guten Unterrichts? Viele Artikel, viele Bücher, viele Untersuchungen gibt es dazu. Ein trendiges Thema so unter  uns Lehrern. Immer wieder denke ich darüber nach, ich möchte ja ein „reflektierender Praktiker“ sein.

Ich sage es ganz direkt, ganz platt: Die wichtigste Stellschraube ist die Schüler-Lehrer-Beziehung“. So einfach und so kompliziert. Ist Vertrauen da, gegenseitiger Respekt, ja auch ein „sich mögen“, klappt es mit dem Lernen irgendwie. Die Schüler müssen vertrauen können, wollen spüren, dass man sie gern hat. Sie haben unglaublich feine Antennen dafür, ob man sie mag oder nicht. Selbst wenn ich schimpfe (und das tue ich schon) muss ihnen klar sein: sie sind angenommen.

Gut, ein bisschen mehr muss schon sein, ob nun eine Stunde gelingt oder nicht (wer Handfestes haben möchte beginne mal mit Hilbert Meyers Buch „Was ist guter Unterricht“). Aber im Grunde ist es das.

Ein Beispiel: 5. und 6. Stunde, Physik, Thema Radioaktivität. Es ist wirklich keine Sternstunde von mir. Wirklich Lust haben die Schüler auch nicht („Herr Kurz, fällt die 6. Stunde heute wieder aus?“) das merkt man. Eine Ausnahme bilden spannende Experimente („Darf ich mal mein Handy an den Geigerzähler halten?“), aber die sind recht selten und füllen nicht die ganze Zeit.

Aber die Schüler lernen doch, ein bisschen zumindest.  Und ich spüre auch – anders kann ich es nicht beschreiben – was sie bewegt: „O. K. Herr Kurz, ich weiß, sie meinen es gut mit uns. Wenn sie meinen, Physik ist irgendwie wichtig, dann lerne ich halt. Aber nur weil’s sie’s sind.“. Hin und wieder gebe ich mein Physik-Lehrer-Mantra von mir, etwa in der Art: „Ihr braucht Bildung. Auch naturwissenschaftliche. Ihr Lieben, lernt, versteht, es geht doch um euer Leben, schaltet mal euren Physik-Versteh-Knopf an“.

Langt das? Wahrscheinlich nicht auf Dauer. Aber es ist so und es ist ein Anfang.

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  1. Bin zwar kein Lehrer aber erteile seit dem 16. Lebensjahr Unterricht an Musikinstrumenten.
    Volle Aufmerksamkeit erhalte ich seitdem ich kleine Videoclips erstelle. So können Schüler voneinander lernen und schauen immer intressant zu wie ein anderer Schüler singt oder spielt. Desweiteren plädiere ich dafür das heutige Senioren dem Unterricht beiwohnen und als Lernhelfer fungieren. Der Mensch braucht Aufmerksamkeit.

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    17. Mai 2011
  2. martinkurz #

    Hallo Alois,
    ja, Videoclips sind ein sehr mächtiges Werkzeug. Und auch sehr wirksam bezüglich des Lernerfolges. Der Aufwand ist leider für den Schulunterricht nicht so trivial. Dies auch in Bezug auf den Datenschutz. Dennoch, es ist richtig in diese Richtung zu denken.

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    17. Mai 2011

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  1. Meine Lernumgebung – ein Plädoyer zum zweiten Blick. | Widerspiegel

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