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Nachlese zum Educamp in Bielefeld #ecbi11

Mein erstes Educamp habe ich hinter mir. Ich nahm am Educamp & Schulforum Bielefeld 2011 teil. Die Teilnahme war längst überfällig. Das habe ich daran bemerkt, dass ich viele Menschen aus der Edu-Blogger/Bildungs-Twitter-Szene getroffen habe, die ich aus dem Netz schon irgendwie kannte.

Alleine diese – ich kann es nicht anders ausdrücken – tollen Leute zu treffen war die Reise wert.

Aber es ging inhaltlich um verschiedene Themen (Sessions) rund um Bildung. Ich möchte meine ersten Gedanken dazu ausdrücken – vieles ist in mir angestoßen worden und „arbeitet“ in mir.

Eine Vision: die neue Lernkultur

Verschiedene Personengruppen trafen aufeinander. Es gab (Schul-)Lehrer, Hochschullehrer und -mitarbeiter, Sozial- und Medienpädagogen, Studenten, Fortbildner, Fernstudienleiter, Bildungswissenschaftler, Dozenten der Erwachsenenbildung und noch ein paar andere Gruppen. In meiner groben Wahrnehmung unterschieden sie sich bezüglich ihres Klientels und ihres – ich sage mal – Praxisbezuges. Klar, ob ich Bildung bei Erwachsenen, kleinen, großen oder benachteiligten Kindern anstrebe ist für die Themenwahl ganz wichtig. Aber auch der Grad der „Politisierung“ des Bildungsbegriffes war von mir unterschiedlich wahrgenommen.Den einen war das Grundsätzliche ganz wichtig – anderen, und zu denen gehöre ich auch, waren konkrete Lösungen in Schule, Hochschule oder konkreten Einrichtungen auf der Agenda. Die einen möchten Noten und das mehrgliedrige Schulsystem abschaffen (kann ich verstehen, Forderungen bringen aber nix), andere den eigenen Unterricht/Kurs/Studiengruppe verändern. Mein Fazit dazu: es muss konkret werden. Eine Vision muss vorhanden, gehätschelt, verändert und kommuniziert werden, aber ein praktischer Schritt in diese Richtung muss gegangen werden.

Eine Frage an mich und alle, denen eine „neue Lernkultur“ auf dem Herzen liegt, kann sein: was kann ich selbst dafür tun?Meine eigene Antwort lautet dafür: an meiner eigenen Schule viele kleine Reformen und Projekte anleiern und durchziehen, meinen Job gut machen, den eigenen Unterricht so gestalten, dass ich darauf (ein bisschen zumindest) verweisen kann. Schülern, Eltern und Kollegen helfen. Bloggen, damit diese Dinge bekannter werden, politischer positiver Druck aufgebaut wird. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Freie Bildungsmedien – #OER

Es gilt nun, angestoßen durch den Schultrojaner, freie Bildungsmedien zu fördern, selbst erstellen, darüber aufzuklären, sich zu vernetzen. Torsten Larbig hat dazu einen hervorragenden Fahrplan erstellt und da klinke ich mich voll ein. Als Physik- und Mathematiklehrer, der mit interaktiven Whiteboards arbeitet, ist es mir ein Herzensanliegen hier voranzukommen und mein Scherflein beizutragen. (Wozu ich mich verpflichtete, steht in dem verlinkten Artikel 🙂 ) Ich kann aber auch nur wieder hinweisen, dass die Forderung von Gunter Dueck nach einem echten Entwicklungssprung rund um freie Bildungsinhalte den Grundgedanken treffend beschreibt. Ich empfehle zum Beispiel dieses Video. Ich erlaube mir mal Duecks Vortragsfolie (bei Minuten 5:48) zu veröffentlichen:

Und wie bei der motivierenden Rede von Dueck, wie auch bei dem konkreten Projekt eines deutschsprachigen Netzwerks zu freien Bildungsmedien, dass am 20.11.2011 in Bielefeld geboren wurde (4 Sessions auf dem Camp hintereinander) geht es darum Bildung auf eine weitere Stufe/Ebene zu heben. Ich glaube daran.
Richtig wohltuend und ganz in meinem „Sinnen und Trachten“ hat Torsten Larbig am Ende jeder Session alle Teilnehmer abgefragt (ja, ja, die Lehrer) und notiert: Was tust du konkret, wozu verpflichtest du dich praktisch? Was ist deine Tat?

Vollziehe einen Schritt in Richtung deiner (Bildungs-)Vision, auch wenn er noch so klein ist.

Diese Aufforderung verweist auf eine Phase in der Bildungswelt im Jahr 2011, in der Visionen und wissenschaftliche Konzepte hinreichen formuliert sind. Politiker sind ahnungslos, Lehrer, Eltern und Schüler am Schulalltag verzweifelt und für alle gilt: Zeigen wir durch unser Tun eine neue Lernkultur auf. Lamentieren nützt nichts, wir – insbesondere die Professionellen – müssen in Vorlage treten. Irgendwann ziehen Politik (Kultusministerien, Politiker) und Finanzierungsmöglichkeiten mit und unterstützen bei Erfolg das Neue. So läuft es immer.

Lernen mit Portfolios

Am Freitag im Schulforum nahm ich an einem Workshop über Portfolio-Arbeit teil. Die Praxisbeispiele waren sehr anregend und hilfreich, ich habe die Form des elektronischen Portfolios, des E-Portfolios vermisst. Ich nehme vom Workshop aber mit, dass sich jegliche Portfolioarbeit, auch kleinste Ansätze mit Papier und Stift, lohnen. Vieles wird in modernem und handlungsorientierten Unterricht gemacht, aber nicht Portfolio genannt. Es ist somit nur noch ein kleiner Schritt aus den guten „Produkten“ des Unterrichts ein Portfolio zu bilden. Und zuletzt ein Tipp: einen guten Einstieg in Portfolioarbeit habe ich bei rpi-aktuell von Julja Born gefunden.

Kooperatives Lernen

Praktiziere ich schon (aber nicht durchgehend). Es war aber gut nochmals einen Workshop dazu zu besuchen, um sich an Prinzipien, Strukturen und Methoden zu erinnern. Ohne auf die Inhalte kooperativen Lernens einzugehen gefiel mir der Einwand eines Kollegen, der sich echauffierte  die propagierte Materialknappheit zu akzeptieren. Anders ausgedrückt: es ist wichtig als standarisiertes Tütensuppenrezept bestimmte Vorgehensweisen einzuüben, aber genauso wichtig ist es nichts zum absoluten Prinzip zu erheben. Der Meisterkoch braucht kein Rezept. Der Superpädagoge auch nicht („Spaß“ würden jetzt meine Schüler hinterher schieben, ich bin nicht so super).

Mein Fazit zum Kooperativen Lernen: Schalte vor jeder Partner- oder Gruppenarbeit eine kleine Phase der Einzelarbeit ein, damit die Schüler sich durch Nachdenken aktivieren und dann erst gemeinsam eine Aufgabe mit ihrem Partner oder ihrer Gruppe lösen. Gehen Schüler gleich in Partner- oder Gruppenkonstellationen haben sie sich noch nicht mit dem Stoff beschäftigt. Dann arbeitet häufig ein Schüler für die anderen. Idealerweise sind die Aufgaben an die Paare oder Gruppen auch so gestellt, dass das Zusammenarbeiten irgendwie Sinn macht. Könnte man die Aufgabe auch gut alleine lösen ist es schwierig die Motivation zur Zusammenarbeit aufrecht zuhalten.

Mein Resümee zum Educamp 

Ganz generell: ein Educamp lohnt sich, ich zehre davon. Es motiviert mich, hält meine Vision aufrecht, gibt Impulse und es formen sich konkrete Projekte für gemeinsame Weiterarbeit (z. B. #OER). Genauso wichtig sind die persönlichen Kontakte, das Netzwerk zu Menschen mit ähnlichem oder gleichen Konzept von Bildung. Ich bin froh, dass ein Educamp im Kern an einem Wochenende stattfindet, ja selbst die Teilnahme von nur einem Tag lohnt sich. So freue ich mich auf das nächste Educamp im Frühjahr 2012, ich bin dabei.

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  1. hallo martin, dein text ist klasse und ich bin froh, dass wir uns auf dem educamp getroffen. go on, ich bin auch dabei und falsl du mal nach berlin kommst, dann sie herzlich willkommen, vor ort in der schule oder auch auf einen kaffee oder tee zum gegenseitigen staerken, gruss, gertrud, p.s., schau doch mal bei mir rein
    Blogs:
    Institut, Referentin, Autorin, Reisende: http://gertrudgraf.wordpress.com/
    Jugendliche bloggen aus der Schule: http://slowlearning.wordpress.com/
    Schulgeschichten der Lehrerin: http://storyburger.wordpress.com/

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    24. November 2011
    • Martin Kurz #

      Liebe Gertrud, danke für die Einladung, ich komme darauf zurück. Ich schau‘ in dein Blog rein, danke.

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      25. November 2011
  2. Klingt, als ob ich etwas verpasst hätte.

    Klingt also gut. Danke dafür.

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    24. November 2011
    • Martin Kurz #

      Lieber Thomas, dann hoffe ich dich beim nächsten Educamp anzutreffen, das wäre sehr schön!

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      25. November 2011
  3. „Eine Frage an mich und alle, denen eine „neue Lernkultur“ auf dem Herzen liegt, kann sein: was kann ich selbst dafür tun?Meine eigene Antwort lautet dafür: an meiner eigenen Schule viele kleine Reformen und Projekte anleiern und durchziehen, meinen Job gut machen, den eigenen Unterricht so gestalten, dass ich darauf (ein bisschen zumindest) verweisen kann. Schülern, Eltern und Kollegen helfen. Bloggen, damit diese Dinge bekannter werden, politischer positiver Druck aufgebaut wird. Steter Tropfen höhlt den Stein.“

    Dem kann ich nur zustimmen. – Und es hat mich sehr gefreut, Dich persönlich kennen gelernt zu haben!

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    24. November 2011
    • Martin Kurz #

      Lieber Karl, genauso geht es mir auch, wir hatten ein sehr gutes Gespräch!

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      25. November 2011
  4. hallo martin, dein text ist klasse und ich bin froh, dass wir uns auf dem educamp getroffen. go on, ich bin auch dabei und falsl du mal nach berlin kommst, dann sie herzlich willkommen, vor ort in der schule oder auch auf einen kaffee oder tee zum gegenseitigen staerken, gruss, gertrud, p.s., schau doch mal bei mir rein
    Blogs:
    Institut, Referentin, Autorin, Reisende: http://gertrudgraf.wordpress.com/
    Jugendliche bloggen aus der Schule: http://slowlearning.wordpress.com/
    Schulgeschichten der Lehrerin: http://storyburger.wordpress.com/

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    28. November 2011

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