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Freie Inhalte im Bildungswesen statt Kampf mit einem Schultrojaner

Bildquelle. Seit ich heute morgen die erste Meldung über einen Schultrojaner bei Netpolitik.org gelesen habe (siehe zusätzlich das Update von Netpolitik.org) konnte ich lange die Meldung nicht ernst nehmen und glaubte an eine Zeitungsente. Dem ist nicht so. Ein Blick in das Originaldokument des Vertrages zwischen den Schulbuchverlagen und Verwertungsgesellschaften und den Ländern (veröffentlicht von netpolitik.org) belehrte mich eines besseren.

Im § 6, Abs. 4 im Vertrag heißt es:

"Die Verlage stellen den Schulaufwandsträgern sowie den kommunalen und privaten
Schulträgern auf eigene Kosten eine Plagiatssoftware zur Verfügung, mit welcher
digitale Kopien von für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werken auf
Speichersystemen identifiziert werden können. Die Länder wirken – die technische
und datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit der Software vorausgesetzt – darauf hin,
dass jährlich mindestens 1 % der öffentlichen Schulen ihre Speichersysteme durch
Einsatz dieser Plagiatssoftware auf das Vorhandensein solcher Digitalisate prüfen
lässt."

Wenn in Artikeln wie bei Heise vom „inflationären Gebrauch“ des Begriffs „Schultrojaners“ gewarnt wird, halte ich den Begriff für angemessen. Die Plagiatssoftware – wie sie genannt wird – muss  Dateien von Lehrern in einem Schulnetzwerk heimlich scannen – ansonsten wäre alles technisch Makulatur.

So weit die Aufregung in Twitter (#schultrojaner ist unter den Top Ten der Trends) und Blogs. Ist klar, ich rege mich auf. Im übrigen glaube ich nicht, dass diese vereinbarte Maßnahme umgesetzt wird. Zu groß sind datenschutzrechtliche Bedenken und Risiken. Das ganze Vorhaben wird durch meiner Einschätzung nach einkassiert und nicht umgesetzt.

Der ganze Hype zu dieser Meldung ist zunächst einmal richtig. Aber ein anderer Gedanke reift in mir heran. Der Kampf gegen einen möglichen Schultrojaner erinnert mich an ein Herzensanliegen, das in den letzten Monaten in mir gewachsen ist:

Ich wünsche mir sehnlichst mehr freie Inhalte im Bildungswesen. Ähnlich dem Grundprinzip der „freien Software“ (bzw. dem Open-Source-Gedanken) sollten diese frei verfügbar sein. Dabei sind die, ich sage mal Randbedingungen wichtig: die Inhalte sollten

  • leicht auffindbar,
  • strukturiert,
  • inhaltlich geprüft,
  • als frei gekennzeichnet und
  • in hoher didaktischer Qualität

verfügbar sein. Die Aufzählung ist noch lange nicht umfassend. Sie ist ein erster Gedanke von mir.

Innovative Umsetzung in verschiedenen Darstellungsformen, egal ob es

  • Videos,
  • Screencasts,
  • interaktive Lernprogramme,
  • Texte,
  • Bilder,
  • Übungen,
  • E-Books,
  • Wiki-Strukturen,
  • mobile Apps,
  • Kurse (u. a. Moodle),
  • Scorm-Module,
  • Lernkarten,
  • Prezis,
  • Simulationen

oder noch zu entwickelnde Web 2.0-Anwendungen sind, sie sollten zumindest zentral auffindbar und für die Mehrheit der Lehrer (die zumindest keine Berührungsängste mit Computern haben) benutzbar sein. Das, was Gunter Dueck in seinem Buch Professionelle Intelligenz fordert oder in seinen Vorträgen und Interviews zur Diskussion stellt, zum Beispiel in diesem aufgenommen Youtube-Video von der TEDxRhein-Neckar: Bildung und Mensch im digitalen Zeitalter (2010). Ich gebe gerne zu, dieses Video hat mich inspiriert.

Viele Pädagogen in Schule und Hochschule stellen freie Inhalte ins Netz. Ich bemühe mich da auch. Aber die Inhalte sind verstreut, meist gar nicht als frei gekennzeichnet, nicht alles ganz richtig und (auch meine Inhalte) nicht wirklich aktuell. Es ist eine Kunst für den Kollegen sich in diesem Dickicht zurechtzufinden. Wie Dueck es fordert hoffe ich darauf, das es irgendwie gelingt – ich weiß nicht einmal durch wen – ein zentrales „Verzeichnis“ für freie Inhalte in höherer Qualität als in der Gegenwart vorhanden zu etablieren. Ich träume von solch einem  zentralen „Verzeichnis“ freier Inhalte im Bildungswesen (u. a. für vorschulische Einrichtungen, Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung). Ich bin mir nicht sicher, ob der Aufbau durch staatliche Impulse, Aktionen aus den Einrichtungen des Bildungswesens oder einfach durch die Gemeinschaft vieler Pädagogen und Wissenschaftlern möglich ist. Vieles entsteht ja auch. Projekte für offene Schulbücher wie bei Wikibooks sind ja genau solche Schritte in die richtige Richtung. Soweit die Beschreibung einer (etwas unausgegorenen) Vision, die ich sicherlich mit vielen teile.

Zurück zur Ausgangssituation, der Meldung über einen möglichen Schultrojaner: Die oben erwähnte Vereinbarung zwischen den Verlagen und den Ländern zeigt, wie altes Denken in den Köpfen vorherrscht: Schütze den Verlag, unternimm Maßnahmen um das Kopieren aus Schulbüchern zu unterbinden, etabliere ein System das bestraft und verfolgt. Solche Maßnahmen können nicht gut gehen, sie ärgern und nützen niemandem, auch nicht den Schulbuchverlagen. Das Beispiel der Musikindustrie steht mir vor Augen. Den (krampfhaften) Schutz des Papierbuchs werden Verlage nicht gewinnen können.

Frei zugängliche Inhalte im Bildungswesen – das wär’s.

Weitere, sehr lesenswerte Blog-Artikel:

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  1. Daher packe ich doch auch meine gescannten Bücher nicht ins Netzwerk…will ich grad schreiben…egal.

    So spinnert sind deine Ideen doch gar nicht – vor allem, wenn ich die technischen Möglichkeiten anschaue, die es so gibt – grad seit ein paar Tagen lese ich z.B. die Süddeutsche mit dem SZ-App auf dem iPad und empfinde das als eine feine mehrwertige technische Umsetzung einer Zeitung. Ganz unabängig vom Hersteller/Art des „Tablets“ ist doch viel viel mehr möglich.

    Ja, und dass das Wissen vorhanden ist und bereitgestellt wird, sehen wir doch, wenn wir die verschiedenen Lehrerblogs sichten und auch darüber hinaus. Und so wie du setze ich Ideen in meinen Blog, die ihrerseits vielleicht andere inspirieren und die ich ja auch wiederum habe inspirieren lassen von anderen – hier Grenzen zu ziehen und Mautstellen einzurichten, halte ich dann doch für verfehlt.

    Aber wie du sehe ich auch das Problem, dass innerhalb des weltweiten Webs irgendwie der Überblick verloren geht. Wenngleich ich da eben „die Kollegen“ in der Pflicht sehe, neben dem Bereitstellen von Ideen und Material auch Qualitätsmanagement zu betreiben. Für mich war da vor einem Jahr der Gedanke des PLN (lesen, sichten, bewerten, darüber schreiben) recht überzeugend – und ist es bis heute. Wer, wenn nicht wir, kann denn wirklich brauchbares Material und brauchbare Inhalte erzeugen?

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    31. Oktober 2011
    • Martin Kurz #

      Lieber Thomas,

      du hast ja schon recht. Das Grundproblem dabei sehe ich zum Beispiel an dem ganz hervorragenden Projekt des ZUM-Wikis (http://www.zum.de): Es ist fantastisch, es ist eine Fundgrube, aber manchmal auch ein Steinbruch. Ein modernes Physik-Schulbuch ersetzt es (noch) nicht.

      Irgendwie – und ich habe im Grunde ja auch keine bessere Antwort als die du hast – würde ich freie Inhalte gerne umfassender, geprüfter, strukturierter und vollständiger im Netz vorhanden sehen. Das bieten die Sammelstellen und Knoten der Schulinhalte (auch http://www.lehrer-online.de/) noch nicht.

      Es fehlt noch eine Steigerung an Qualität. Ich kann da inhaltlich nur für meine Fächer Physik und Mathematik sprechen, aber da kann ich es aufzeigen. Ich bin für die Pioniere auf diesem Gebiet sehr, sehr dankbar (Danke z. B. für http://www.leifiphysik.de). Ich wiederhole mich: wie es zu einem zentralen Verzeichnis mit einer Qualitätssteigerung kommen könnte – ich weiß es nicht.

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      31. Oktober 2011
  2. Jan #

    Ja. Ja. Ja.
    Mit diesem Verhalten zerstören sich die Schulbuchverlage langfristig selbst. Wie die Musikindustrie. Wie die Buchverlage gerade.

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    31. Oktober 2011
  3. Verträge wie der genannte zeigen leider mehr als deutlich, wer hier am längeren Hebel sitzt. Es gibt durchaus vernünftige Menschen in den Landesministerien und ihnen zuarbeitenden Verwaltungsstrukturen (in NRW kenne ich dort ein paar), die sich darum bemühen, den Handlungsspielraum von Schulen und Lehrern in Bezug auf das Urheberrecht gegenüber den Verlagen auszuweiten, indem man den Verlagen Zugeständnisse abringt.

    Man muss sich jedoch immer vergegenwärtigen, dass die Rechtsabteilung eines einzelnen Bildungsverlages um ein vielfaches größer ist als die einer Landesregierung und dass die finanziellen Mittel dieser Verlage im Falle eines Rechtsstreites auch die im Landeshaushalt zur Verfügung stehenden Mittel zigfach übersteigen.

    Urheberrechtsfragen werden auf Bundesebene verhandelt und beschlossen. Dabei kommen dann noch einmal ganz andere Faktoren ins Spiel, etwa die Lobby-Arbeit der Verlage insgesamt.

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    31. Oktober 2011
    • Martin Kurz #

      Lieber Damian,

      ich stimme dir zu, du hast in deinem Blogbeitrag die Situation auch sehr gut analysiert und bewertet.
      Eine Ergänzung zu deinen Blogbeitrag, siehe http://bit.ly/s22GGn, warum Lehrer dennoch „Digitalisate“, also digitale Kopien von Schulbüchern benutzen: Der Einsatz von interaktiven Whiteboards führt dazu, dass gerne anstelle einer Overhead-Folie (die wäre als analoge Kopie ja mit Einschränkung erlaubt) ein digitales Tafelbild verwendet wird. Dies ist nicht erlaubt.
      Es gibt jedoch Verlage, das möchte ich lobend erwähnen, z. B. der Cornelsen-Verlag, der ausgewählte Schulbücher digital verkaufen, mit der Lizenz diese auf einem digitalen Whiteboard einzusetzen. Dies mache ich z. B. mit dem Lehrwerk „Physik Interaktiv“.

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      1. November 2011
  4. Stimme dir absolut zu!

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    31. Oktober 2011
    • (es war zu kurz geraten: ich stimme Martin und dem Ausgangsartikel zu: wir brauchen mehr freie zugängliche, qualitativ hochwertige Inhalte! Über den Einsatz bzw. die Nutzbarkeit im eigenen Unterricht muss jeder Lehrer sowieso selbst entscheiden – egal ob gekauftes Schulbuch oder frei verfügbares Material.)

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      1. November 2011
  5. Endlich sind wir jetzt bei der Diskussion um frei verfügbare Bildungsinhalte! Die Schulbuchverlage, die die Entwicklung (wieder einmal) verschlafen haben, wollen sich auf diese absurde Weise vor „Plagiaten“ in digitalisierter Form schützen. Jetzt frage ich mich, was denn jemand aus einem Schulbuch überhaupt digitalisieren will….. um es dann in ein LMS zu stellen??? Wo ist da der Fortschritt im Lernen? @Martin, es gibt in der Tat im Netz frei verfügbar und immer aktuell eine Fülle von Materialien von Texten bis zu Podcasts und Videos, die für mich das Schulbuch in den letzten Jahren obsolet gemacht haben. Ich muss allerdings gestehen, dass ich Sprachen unterrichte, und da ist das online Angebot überwältigend.
    Was die „Qualität“ betrifft, kann man als Lehrperson sehr schnell beurteilen – oder noch besser: die Schüler beurteilen lassen- auch das ist oft ein Lerneffekt- was für den jeweiligen Zweck brauchbar ist. Das sind dann für die Aktivierung von Lernprozessen oft ganz andere Seiten oder Artikel als die von Lehrern (die ja die Schulbücher schreiben) ausgewählte…. Das Problem liegt aber meiner Meinung nach bei der Angst vieler Lehrenden, sich vom sakrosankten Curriculum weg zu bewegen, um mit den Lernenden spontan aktuelle Themen zu bearbeiten, zu denen Jugendliche auch einen direkten Bezug haben. So findet man dann leider oft in moodle Kursen ein exaktes Abbild der Struktur des Lehrbuchs, was die Schüler nicht gerade zu Begeisterungsstürmen und Lernaktivitäten hinreisst. Wir müssen uns als Lehrende daran gewöhnen, dass die Lernprozesse nicht unbedingt so strukturiert ablaufen, wie wir das im Referendariat gelernt haben und mit Abschluss der 45 Minuten ein Thema seinen Abschluss findet. Das geht nur, wenn man sich brav an den Schulbuchlektionen entlang hangelt… der Realität beim Lösen eines Problems oder der Kommunikation in einer Sprache entspricht das dann allerdings nicht.
    Mich regt jetzt weniger dieser seltsame und hilflose Versuch der Verlage auf, mithilfe eines Spyprogramms zu überprüfen, ob jemand Kopien aus Schulbüchern ( welch absurde Idee) ins Schulnetz gestellt hat, als vielmehr die Verschlafenheit der Verlage, die Inhalte (auch) als eBook anzubieten mit allen Vorteilen der Verlinkung, der Aktualisierung. Zumindest hätten wir dann immer zeitnah aktualisierte Inhalte. Ein Geschäftsmodell für die Vergütung zu finden, dürfte auch nicht schwierig sein.
    Die Lösung des Content Problems sehe ich allerdings etwas anders.
    1. Muss der Content denn immer so perfekt und didaktisch aufbereitet sein, dass der Lehrer keine eigenen Ideen mehr beisteuern muss? ( Es gibt IMMER noch die sogenannten „Lehrerhandreichungen“ zum Lehrbuch!!!- und die werden auch von vielen Lehrern benutzt!)
    2. Brauchen wir nicht eher die Fähigkeit, uns in Netzwerken – die im übrigen bereits zahlreich bestehen – auszutauschen und unsere Materialien frei zur Verfügung zu stellen und mit anderen zu teilen? Auch das funktioniert in den Kollegenkreisen, die angstfrei in sozialen Netzwerken unterwegs sind, wunderbar und führt zu einer Zusammenarbeit, die Ländergrenzen ausser Acht lässt. (nicht wahr, Martin 😉 Man muss das nur wollen! Ein Beispiel dafür sind die vielen Lehrerblogs, die so viele gute Unterrichtsideen und Materialien zusammentragen und besprechen, dass das Schuljahr garnicht ausreicht,, dies alles umzusetzen.
    3. Wenn wir uns dazu entschliessen könnten, den Content nicht mehr als die heilige Kuh zu betrachten, sondern damit anfangen, in sinnvollen Kontexten mit den Schülern zu lehren und zu lernen, also z.b. fächerübergreifende Projekte, in denen die Schüler mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen, würde die Abhängigkeit von Schulbuchinhalten auch abnehmen.
    Leider besteht nach meiner Erfahrung bei den meisten Lehrkräften eine starke Bindung an die Inhalte der Lehrbücher und sie können sich kaum vorstellen, dass auch ohne Lehrbuch sinnvolle Lernprozesse möglich sind . Das soll jetzt aber kein Aufruf zur Lehrbuchverbrennung sein, sondern zum Nachdenken über Content anregen. Ich hatte vor ca. 10 Jahren an einem Lehrbuch für Englisch an Berufsschulen mitgearbeitet und wir haben damals schon versucht, den Verlag zu überzeugen, eine abgespeckte Version des Printbuches zu erstellen und alle anderen Inhalte auf einer entsprechenden Website immer neu zu aktualisieren und zu ergänzen. Wir stiessen auf Granit und nachdem ich meinen Part über Computertechnik und Software dann 3mal während des Entstehungsprozesses aktualisieren musste, habe ich mich aus diesem Projekt verabschiedet und mir geschworen, nie mehr an einem Schulbuch mitzuschreiben. (Dieser Teil war dann bei Erscheinen des Buches schon wieder überholt) Mit großer Freude erstelle ich dagegen eigene Moodlekurse, die aber mit dem Schuljahr mitwachsen und jedes Jahr anders aussehen, je nachdem, was sich gerade an aktuellen Themen ergibt. Das kann man sicher so nicht auf alle anderen Fächer übertragen, aber man könnte zumindest für den Sprachunterricht mehr Offenheit wagen. Ich fand es auch immer nach einem Jahr öde, wieder das gleiche Schulbuch und die gleichen Lektionen zu unterrichten und sobald wir in der Schule Netzzugang hatten, konnte man sprachlich aus dem Vollen schöpfen.
    Also: Aufregung über den „Schultrojaner“ ja, aber auch Gelassenheit, denn wer will denn schon digitalisierte Kopien in ein Moodle oder ins Schulnetz stellen??? Das Kopieren findet morgens vor dem Unterricht in den Lehrerzimmern am Fotokopierer statt…. immer noch!
    A long way to go!

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    1. November 2011
    • Martin Kurz #

      Hallo Sigi,

      lieben Dank für dein Beitrag 🙂 Ich weiß natürlich, dass dein Herz für freie Inhalte schlägt, meines ja auch. Vielleicht ist es wirklich fachabhängig: In Mathematik und in den Naturwissenschaften reichen die freien Inhalte, die z. Z. verfügbar sind, nicht aus. Und dabei habe ich einen eher modernen u. kooperativen Unterrichtsstil mit viel Einsatz des Internets und neuen Medien. Konkret muss ich mich als Physiklehrer sehr viel mit copyright-geschütztem Material herumschlagen, auch wenn es um Kompetenzen, nicht um die einzelnen Inhalte geht. Aber wir lernen ja an und mit den Inhalten, auch wenn diese austauschbar sind.

      Ehrlich, das Kopieren vor dem Unterricht ist „old school“, ich wünschte es wäre anders. Mit einer guten IT-Infrastruktur, verfügbaren Tablet-Computer für den einzelnen Schüler und hochwertigen freien Inhalten wäre die Problematik gelöst. Aber so weit sind wir nicht.

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      1. November 2011
      • Winni #

        @Martin „Ehrlich, das Kopieren vor dem Unterricht ist „old school“, ich wünschte es wäre anders. Mit einer guten IT-Infrastruktur, verfügbaren Tablet-Computer für den einzelnen Schüler und hochwertigen freien Inhalten wäre die Problematik gelöst. Aber so weit sind wir nicht.“

        Der entscheidende Punkt von dir ist: „mit einer guten IT-Infrastruktur“. Bei uns worden in den letzten Jahren regelmäßig die Etats gekürzt. Die Gemeinde (Stadt) hat einfach kein Geld. Die Räume mit Beamer bzw. PC oder Internetanschluß kann man an einer Hand abzählen. Die beiden Computerräume sind auf Wochen ausgebucht. Da ist an eLearning gar nicht zu denken. Da wird man zu „old school“-Kopieren gezwungen.
        Wenn ich mir ein Schulbuch oder Ergänzungmaterial von Verlagen kaufe, darf ich nichts daraus einscannen um es in Klassenarbeiten oder für selbst erstellte Arbeitsblätter zu verwenden.
        Was soll das? Die Regale in meinem Arbeitszimmer sind voller gekaufte Bücher und ich soll, um ein Arbeitsblatt zu erstellen, mit Kopieren, Schere und Klebestift arbeiten? Das kann ja nur ein schlechter Witz sein.
        Diese „Schultrojaner“-Sache macht mich richtig wütend, weil einem im Schulalltag erst dicke fette Steine in den Weg gelegt werden, und wenn man sich täglich zwingt mit diesen Steinen zu leben, auch noch unter Generalverdacht gestellt wird etwas kriminelles zu tun.

        So lange die Verlage Lehrern nicht erlauben, von ihren gekauften Büchern digitale Kopien (meinetwegen auch nur Auszüge) erstellen zu dürfen, tendiere ich dazu, keinen müden Cent mehr für Schulbücher etc. auszugeben.

        Was müsste man eigentlich tun, um so eine „zentrale“ Stelle mit frei zugänglichen und verwendbaren Materialien aufzubauen?
        Das wäre doch einmal eine sinnvolle Bildungsinvestition der Länder.

        Gruß,
        Winni.

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        1. November 2011
        • Martin Kurz #

          Liebe Winni,

          du sprichst aus, als engagierter Lehrer, wie ich mich seit Jahren fühle. Insbesondere mit den Absurditäten der Erstellung eines Arbeitsblattes. Du hast so recht.

          Nach der Website der Verlage http://www.schulbuchkopie.de/fragen_antworten.html
          darf ich ein Bild aus einem Buch den Schülern kopieren. Ein Arbeitsblatt daraus zu erstellen wird offen gelassen. Kleben u. schneiden darf man wahrscheinlich. Ist ja keine digitale Kopie. Explizit ist das Scannen u. Einbauen in ein eigenes AB verboten. Dabei wird begründet es entsteht ja dadurch eine digitale Kopie. Wie du sagst, es ist ein schlechter Witz.

          Die Krönung dabei ist, dass die sogenannte „analoge Kopie“ gar keine ist. Jeder Kopierer legt intern eine digitale Kopie der zu kopierenden Seite auf ein internes Speichersystem ab. Es entsteht technisch immer eine digitale Kopie. Diese wird nicht immer gelöscht.

          Und zu deiner letzten Frage, was man tun sollte für ein zentrales „Verzeichnis“: es ist politisches Handeln von uns gefordert, so sehe ich es, dass die KMK solch ein Vorhaben angeht. Ich denke tatsächlich darüber nach …

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          1. November 2011
    • Ich stimme dir grundsätzlich zu, was die unnötige Fixierung vieler Lehrkräfte auf Lehrwerke und Lehrerhandbücher dazu angeht. Niemand zwingt uns dazu. Doch vor allem an Hauptschulen, wo oft fachfremd unterrichtet wird, sind Lehrende leider oft auf diese Hilfen angewiesen. Und wenn der Fachunterricht in Englisch teilweise nur zu 20% von studierten Englischlehrern unterrichtet werden kann, ist die Zahl dieser Fachfremden recht groß.

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      4. November 2011
  6. Bei einer ähnlichen Diskussion im Januar über digitale Schulbücher hatte ich von einer der Rechsprechung fähigen Person eine kurze Erklärung bekommen. Das ‚photomechanische Verfahren‘ der alten Kopierer ist hier scheinbar immer noch die noch gültige Referenz.

    Die Diskussion gibts hier: http://www.edushift.de/2010/12/09/digitale-schulbucher/comment-page-1/#comment-774

    (Man verzeihe mir den Cross-link, aber ich will’s nicht nochmal abtippen. ;-))

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    1. November 2011
    • Martin Kurz #

      Lieber Felix, vielen Dank für den Link, auch der Artikel u. die Kommentare sind spannend und gerade jetzt aktuell. Das mit dem „photomechanischen Verfahren“ als Referenz ist sicherlich logisch. Es werden die Endprodukte, also hier die Papierkopie betrachtet. Dennoch halte ich, auch technisch, das ganze nicht für rund.

      Im Grunde glaube ich, nein, ich hoffe eher, dass die Schulbuchverlage sich zukünftig mehr auf eine Dienstleistung an Inhalten, weniger auf Streitereien um das Copyright von Endprodukten konzentrieren werden.

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      1. November 2011
  7. Dein Traum ist mit Elixier zumindest konzeptionell schon in Erfüllung gegangen: http://www.bildungsserver.de/elixier/elixier.html – das ist schonmal ein Versuch, die Inhalte der Bildungsserver unter einer Haube zu versammeln.

    Leider wird die technische Umsetzung ohne z.B. eine META-Angabe im Header von HTML-Seiten mit Lernobjekten technisch kaum automatisiert umzusetzen sein…

    Darauf wird sich dann auch Google stürzen und die begrenzten technischen Bemühungen der Bildungsserver hinwegfegen.

    Davor haben die zuständigen Abteilungen eine Mordsangst und deswegen sperren die ihre Metadaten vor Google.

    Welchen Weg geht man also? Google kann das technisch viel besser – vgl. GoogleScholar. Ich würde als Bundesland mit Google kooperieren…

    Maik

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    2. November 2011
    • Martin Kurz #

      Dein Link ist gut und brauchbar, danke. Die Sammelstelle, das Verzeichnis von dem ich träume ist aber dennoch anders. Ich stelle mir ein freies multi-mediales „Schulbuch“ vor, mit Videos und vielen, vielen interaktiven Elementen. Redigiert, strukturiert und nach offenen Maßstäben geprüft. So etwas in der Art. Dabei möchte ich die vielen guten „Material-Portale“ nicht schmälern.

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      2. November 2011
  8. Neue Medien, E-Learning und co. sollen den Unterricht ergänzen – nicht ihn ersetzen – und auf ein aktuelles Niveau heben . Aber wie soll denn bitte schön ein profunder Unterricht im Bereich E-Learning stattfinden, wenn man in den meisten digitalen Inhalten lizenzrechtlich geknebelt ist?
    Es gibt genug „Lernpakete“ mit vorgefertigten Inhalten von Verlagen. Entweder gehen sie knapp am individuell gestalteten Unterricht vorbei oder sind per Schulbudget kaum zu finanzieren.
    Wer sich nicht die Mühe macht, Inhalte per CMS-Autorentools selbst herzustellen hat hier einfach das Nachsehen. Die Forderung von freien Inhalten ist daher mehr als berechtigt.
    Und die Antwort folgt doch. Immer mehr Moodle-Kurse werden von den Autoren frei zur Verfügung gestellt. Die Schulverlage sollten mit den Lehreinrichtungen kooperieren anstatt sich querzustellen. Was nützt einem Lehrer denn ein digitales Arbeitsblatt, wenn er es nur begrenzt in ganz geringer Anzahl verteilen darf?
    Wer das in den Verlagen nicht einsieht, wird sich bald mit frei kopierbaren OpenSource-Readern zu verschiedenen Fächern konfrontiert sehen. Angesichts knapper öffentlicher Kassen keine schlechte Idee, finde ich.
    Gründen wir doch die OpenTeachingCommunity!

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    3. November 2011
  9. I have been surfing online more than 4 hours today, yet I never found any interesting article like yours.

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    12. Januar 2013

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